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Warum wir nicht einfach «durch deine Punkte rechnen»: wie aus zwei Belastungen eine Diagnose wird

Die Versuchung des exakten Fits

Zwei maximale Belastungen ergeben exakt eine Hyperbel, und bei zwei Belastungen ist das schlicht die Lösung: Die Linie läuft durch beide, darum zählt ein sauber gefahrenes Protokoll. Drei Belastungen ergeben exakt eine komplexere Kurve. Das sieht präzise aus, ist es aber nicht: Ein exakter Fit einer komplexeren Kurve durch wenige Punkte hat keinen Spielraum für das, was im echten Leben immer dabei ist. Tagesform, Verpflegung, Pacing, die Restermüdung von gestern. Jede dieser Abweichungen geht eins zu eins in die Parameter. Im ungünstigsten Fall senkt eine zusätzliche Belastung die gerechnete Critical Power um über 30 Watt, nicht weil du schwächer bist, sondern weil das Modell keine Fehler duldet.

Was wir stattdessen tun

Unsere Auswertung folgt einer einfachen physiologischen Tatsache: Du kannst an einem Tag unter deiner wahren Leistungsgrenze bleiben, aber nie über sie hinaus. Darum beurteilen wir zuerst jede Belastung einzeln: Nur was auf deiner persönlichen Maximalleistungskurve liegt, zählt als maximal und geht ins Modell ein. Dann rechnen wir nicht «durch die Mitte», sondern gewichten asymmetrisch: Eine Belastung über der Modellkurve ist unmöglich und zwingt das Modell nach oben; eine Belastung darunter ist erklärbar und wird nur schwach gewichtet. Die Kurve orientiert sich an deinen besten Belastungen, nicht am Durchschnitt. Bei zwei Belastungen läuft die Linie exakt durch beide; die asymmetrische Gewichtung greift ab drei Belastungen.

Wann ein Sprint alles vervollständigt

Das Standardmodell hat zwei Parameter und eine bekannte Schwäche: Im Sprintbereich wird es unrealistisch. Das 3-Parameter-Modell von Morton behebt das, aber nur, wenn ein kurzer, maximaler Effort von 30–60 Sekunden die Kurve unten verankert. Ohne diesen Anker müsste das Modell den Sprintbereich raten, und es würde dabei die Critical Power nach unten drücken. Darum gilt bei uns: Bei drei oder mehr maximalen Belastungen mit Anker wird das volle Morton-Modell gerechnet; sonst bleibt es beim bewährten 2-Parameter-Modell. Und wenn die Daten nicht zueinander passen, etwa weil der Sprint nicht ausgeruht gefahren wurde, verwirft der Algorithmus die Erweiterung und sagt dir im Report warum.

Was das für dich heisst

Wähle eines der beiden Protokolle (3′ + 12′ oder 5′ + 20′), fahre es sauber, bleibe bei Retests dabei. Trainer, die mehr wollen, laden drei oder mehr maximale Belastungen plus Sprint hoch: Das Tool erkennt automatisch, welches Modell die Daten hergeben. In jedem Fall siehst du im Report: welches Modell gerechnet wurde, welche Belastungen verwendet wurden, und welche nicht, mit Grund.

Evidenz statt Hype: Die Modelle stammen aus der peer-reviewten Literatur (Monod & Scherrer 1965; Hill 1993; Morton 1996; Mattioni Maturana et al. 2018). Dieser Artikel erklärt, warum wir sie so anwenden, wie wir es tun.

Quellen

  • Monod, H. & Scherrer, J. (1965). The work capacity of a synergic muscular group. Ergonomics, 8(3), 329–338.
  • Hill, D. W. (1993). The critical power concept. A review. Sports Medicine, 16(4), 237–254.
  • Morton, R. H. (1996). A 3-parameter critical power model. Ergonomics, 39(4), 611–619.
  • Mattioni Maturana, F., Fontana, F. Y., Pogliaghi, S., Passfield, L. & Murias, J. M. (2018). Critical power: How different protocols and models affect its determination. Journal of Science and Medicine in Sport, 21(7), 742–747.